Tipps:

Eine WG zu gründen klingt nach Freiheit, geteilten Kosten und vielleicht sogar neuen Freundschaften. Doch zwischen der Euphorie beim Einzug und dem ersten Streit über den Abwasch liegen oft nur wenige Wochen. Damit aus dem WG-Traum kein WG-Drama wird, lohnt es sich, typische Fehler zu kennen – und ihnen mit klarem Kopf und offenen Gesprächen vorzubeugen.
„Das regeln wir schon irgendwie“ ist ein Satz, der in vielen WGs zum Dauerproblem wird. Ohne klare Absprachen zu Alltagsthemen wie Sauberkeit, Lautstärke oder Gäste wird aus der lockeren Gemeinschaft schnell ein Ort voller Missverständnisse und unausgesprochener Erwartungen.
Ein Putzplan klingt vielleicht spießig, ist aber Gold wert. Wenn niemand weiß, wer für das Bad zuständig ist, bleibt es eben dreckig – und das sorgt für Frust. Auch Themen wie Mülltrennung, Einkauf oder die Nutzung gemeinsamer Räume sollten früh besprochen werden. Wer darf wann Besuch mitbringen? Wie laut darf Musik sein? Und was passiert, wenn jemand sich nicht an die Absprachen hält?
Noch besser: Haltet eure Regeln schriftlich fest. Das muss kein Vertrag sein, aber ein gemeinsames Dokument, auf das ihr euch beziehen könnt, hilft enorm. So bleibt alles transparent und Diskussionen werden (hoffentlich) sachlicher.
Die WG-Suche ist oft wie ein Speed-Dating mit Küchenzeile. Man trifft sich, plaudert nett, und entscheidet nach 20 Minuten, ob man zusammen wohnen will. Doch Sympathie allein reicht nicht. Unterschiedliche Lebensstile, Arbeitszeiten oder Vorstellungen von Ordnung können schnell zu Konflikten führen – selbst wenn man sich anfangs gut versteht.
Ein ruhiger Frühaufsteher und eine nachtaktive Partygängerin? Das kann funktionieren – muss aber nicht. Deshalb lohnt es sich, beim Kennenlernen ehrlich zu sein. Wie sieht dein Alltag aus? Was brauchst du, um dich wohlzufühlen? Wie stehst du zu Sauberkeit, Privatsphäre oder gemeinsamen Aktivitäten? Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn du dich beim ersten Treffen unwohl fühlst oder das Gespräch oberflächlich bleibt, ist das ein Warnsignal. Eine Wohngemeinschaft ist kein Zufallsprojekt, sondern ein Ort, an dem du dich sicher und zuhause fühlen solltest.
Geld ist ein sensibles Thema. Wenn niemand den Überblick hat, wer was bezahlt hat, entstehen schnell Spannungen. „Ich überweise dir das später“ klingt harmlos, wird aber zum Problem, wenn Rechnungen sich stapeln und niemand Verantwortung übernimmt.
Ein gemeinsames WG-Konto kann helfen, laufende Kosten wie Miete, Strom oder Internet fair zu verteilen. Alternativ gibt es Apps wie Splitwise oder Flatastic, mit denen ihr Ausgaben transparent dokumentieren könnt. Wichtig ist: Klärt vorher, wie ihr mit größeren Anschaffungen umgeht. Wer zahlt für den neuen Toaster? Und was passiert, wenn jemand auszieht?
Auch die Haushaltskasse für Dinge wie Klopapier, Spülmittel oder Kaffee sollte geregelt sein. Sonst kauft immer dieselbe Person ein – und ärgert sich irgendwann. Fairness beginnt bei den kleinen Dingen!
Viele WG-Gründer*innen unterschätzen, wie wichtig der Mietvertrag ist. Wer steht offiziell drin? Wer haftet für Schäden oder Mietrückstände? Was passiert, wenn jemand auszieht oder neu einzieht?
Wenn du allein im Vertrag stehst, trägst du auch allein die Verantwortung – selbst wenn deine Mitbewohner*innen sich nicht an Absprachen halten. Im schlimmsten Fall bleibst du auf der gesamten Miete sitzen. Deshalb: Lies den Vertrag genau, sprich mit der Vermieterin oder dem Vermieter über mögliche Untermietverträge oder Nachträge, und klärt, wie ihr mit Wechseln in der WG umgeht. Auch Themen wie Kaution, Kündigungsfristen oder Renovierungspflichten sollten nicht erst beim Auszug zur Sprache kommen.
Viele denken beim Einzug an Möbel, Deko und WG-Partys – aber nicht an WLAN, Stromanbieter oder Rauchmelder. Dabei sind diese Dinge essenziell für einen funktionierenden Alltag. Ohne Internet geht heute fast nichts: Uni, Arbeit, Streaming, Kommunikation – alles hängt am Netz. Und wenn ihr euch das WLAN teilt, denkt auch an Sicherheit. Ein kostenloses VPN schützt eure Daten, besonders in WGs mit gemeinsamem Netzwerk. So surft ihr sicher, auch wenn ihr euch das Netz mit mehreren Geräten und Personen teilt.
Auch andere technische Fragen solltet ihr früh klären: Wer meldet Strom und Gas an? Wie funktioniert die Heizung? Gibt es eine Haussprechanlage oder Gegensprechanlage? Je besser ihr vorbereitet seid, desto entspannter wird der Start.
Gemeinschaft ist schön – aber jede WG braucht auch Rückzugsmöglichkeiten. Wenn es keinen Ort gibt, an dem man mal allein sein kann, wird selbst die beste Stimmung irgendwann kippen. Gerade in stressigen Phasen ist es wichtig, einen Raum zu haben, in dem man abschalten kann.
Achtet bei der Wohnungssuche darauf, dass jeder ein eigenes Zimmer hat – und dass diese Zimmer auch wirklich als Rückzugsort genutzt werden können. Ein Durchgangszimmer oder ein winziger Abstellraum als „Schlafzimmer“ ist keine gute Lösung.
Und: Respektiert die Privatsphäre der anderen. Nicht jede*r will ständig Gesellschaft – und das ist völlig okay. Wer sich zurückzieht, braucht keine Erklärung abzugeben.
Viele starten mit romantischen Vorstellungen: gemeinsame Kochabende, Serienmarathons, tiefgründige Gespräche bis spät in die Nacht. Doch wenn die Realität anders aussieht – etwa weil alle viel arbeiten oder unterschiedliche Interessen haben –, kommt schnell Enttäuschung auf.
Deshalb: Sprecht offen darüber, was ihr euch von der WG erhofft. Wollt ihr eher eine Zweck-WG, in der jede*r sein Ding macht? Oder eine enge Gemeinschaft mit gemeinsamen Aktivitäten? Beides ist legitim – solange alle Bescheid wissen.
Eine Wohngemeinschaft kann ein wunderbarer Ort sein – voller Leben, Austausch und Gemeinschaft. Aber sie braucht Struktur, Kommunikation und gegenseitigen Respekt. Wer die typischen Fehler kennt und ihnen bewusst aus dem Weg geht, legt den Grundstein für ein Zuhause, das mehr ist als nur eine geteilte Wohnung.